Süßigkeiten, Fast Food, Kaffee oder Alkohol – Kaum einer möchte auf diese Nahrungs- und Genussmittel gänzlich verzichten. Dabei behaupten die Befürworter einer basischen Ernährungsweise, dass genau das besonders wichtig ist, damit wir nicht krank werden. Doch kann der Körper durch falsche Ernährung übersäuern und können wir dadurch sogar an Krankheiten wie Krebs oder erleiden?
Was ist basische Ernährung?

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Basische Ernährung ist ein Ernährungskonzept, das Anfang des 20. Jahrhunderts populär wurde. Mehrere Diäten im Test-Begründer vertraten das Konzept der basischen Ernährung bereits. Darunter Howard Hay, der Entwickler der Trennkost Diät, Otto Warburg und Are Waerland, Ernährungsreformer und Entwickler der Waerland-Kost. Basische Lebensmittel werden häufig von Alternativmedizinern empfohlen. Diese sehen basische Nahrungsmittel als gesundheitsfördernd und sogar Krankheitsbekämpfend an. Basische Ernährung beruht auf der Hypothese, dass der Organismus durch zu viele säureproduzierende Anteile “übersäuert”, wodurch der gesamte Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Diese körperliche Übersäuerung soll dauerhaft gesundheitliche Folgen mit sich bringen und Krankheiten wie beispielsweise Neurodermitis, Gicht, Arthrose, Osteoporose, Herzrhythmusstörungen, Allergien, Krebs und chronisches Unwohlgefühl durch Kopf- und Muskelschmerzen, Schlafstörungen und Müdigkeit verursachen. Demnach stehen Menschen, die an basische Lebensmittel und eine basische Ernährungsweise glauben dafür ein, dass darauf geachtet werden muss, dass der Körper weniger säureproduzierende als basische Lebensmittel bekommt.
Wie kommt es zu einer Übersäuerung?
Ursache für eine Übersäuerung sei, dass Ausscheidungsorgane wie Leber, Nieren, Lungen und Schweißdrüsen die ernährungsbedingt aufgenommenen Säuren nicht komplett entfernen können. Dabei wird davon ausgegangen, dass auch gesunde Menschen überschüssige Säuren nicht vollständig ausscheiden können. Dies soll krankheitsfördernd wirken, da sich die Säuren in den Geweben und Zellen festsetzen und dem Körper lebensnotwendige Mineralien entziehen. Die Folge ist laut Verfechter des Konzepts der basischen Ernährung eine Übersäuerung. Im Kombination mit belastenden Umweltfaktoren, wie mangelnder Ruhe, psychischer Stress und Medikamente, sei es kein Wunder, dass immer mehr Menschen an chronischen und tödlichen Krankheiten leiden, für die es in der modernen Medizin kein Heilverfahren gibt.
Mit basischen Lebensmitteln den Säure-Basen-Haushalt einpendeln
Ziel des Konzepts der basischen Ernährung ist es, durch eine Ernährungsweise mit überwiegend basischen Lebensmitteln den pH-Wert des Körpers auf seinen idealen Wert einzupendeln und dort zu halten. Dafür muss ein optimales Gleichgewicht zwischen basischen und säurebildenden Lebensmitteln gefunden werden. Doch woher weiß man eigentlich ob man selbst übersäuert ist? Dies lässt sich durch den pH-Wert in Körperflüssigkeiten wie Speichel, Blut und Urin, herausfinden. Blut ist dabei am aussagekräftigsten, bedarf jedoch einer Laboruntersuchung. So mancher behauptet man könne den Wert einfach mit Hilfe von Indikatorpapier (Teststreifen) im Urin messen. Dabei sollte der pH-Wert 7,0 bis maximal 7,5 betragen, ideal wäre jedoch ein leicht basischer Wert von 7,4 (+/-0,05). Eine weitere Methode den pH-Wert zu messen sei durch den Speichel mit Lackmuspapier aus der Apotheke, wobei der normale Speichel-pH-Wert bei etwa 7 – 7,1 liegen soll. Ist der Wert übersäuert, liegt er bei 6 oder niedriger. Die Werte müssen mehrmals täglich gemessen werden. Ist der pH-Wert konstant, ist auch der Säure-Basen-Haushalt stabil, den es aufrechtzuerhalten gilt. Nun muss bei der Nahrungsaufnahme darauf geachtet werden, wie basisch die Lebensmittel auf den Körper wirken.
Ernähren mit basischen Lebensmittel
Da eine Übersäuerung ernährungsbedingt sei, soll eine Aufnahme von überwiegend basischen Lebensmitteln überschüssige Säuren in Geweben und Zellen vorbeugen. Basische Lebensmittel sollen den Körper möglichst wenig säuern, also eine basische Wirkung auf den Körper haben. Damit der Körper sich fit fühlt und sich der Säure-Basen-Haushalt in einem Gleichgewicht befindet und der Stoffwechsel reibungslos funktionieren kann, brauchen wir nach diesem Ernährungskonzept sowohl Säuren als auch Basen, denn einige Prozesse benötigen ein saures Milieu.
Eine Ernährung mit rein basischen Lebensmitteln wird also nicht empfohlen. Vertreter einer basischen Ernährung empfehlen sich zu 80 Prozent mit basischen Lebensmitteln zu ernähren und lediglich um die 20 Prozent Säurebildner zu sich zu nehmen. Die allgemeine Faustregel jedoch lautet: 2/3 basische Lebensmittel, 1/3 säuernde Lebensmittel. Demnach sollen säuernde Lebensmittel zwar vermieden werden, sind aber kein tabu. Ob Lebensmittel eine basische oder säuernde Wirkung auf den Organismus haben entscheidet die anorganische Materie von Lebensmitteln, wie beispielsweise Kalzium, Magnesium und Kalium, in die unser Organismus diese zerlegt. Säuernde Lebensmittel umfassen beispielsweise alle Arten von Fleisch, Meeresfrüchte, Milche- und Hefeprodukte, viele Nusssorten, Süßigkeiten und auch Getränke wie Limonade und Kaffee sind säurebildende Produkte. Dabei ist es unerheblich ob ein Nahrungsmittel sauer schmeckt. Dies hat keine Bedeutung auf die Säurebildung im Organismus. Auf dem Speiseplan stehen sollen basische Lebensmittel, die viel Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen und Natrium enthalten. Diese Stoffe bilden Mineralsalze und sollen Säuren neutralisieren. Am stärksten basisch wirken Gräser und Kräuter, rohes Gemüse, Sojaprodukte, Samen , Körner und reifes, naturbelassenes Obst.
Im folgenden ist eine Auflistung der Nahrungsmittel die dafür geeignet sind sich mit basischen Lebensmitteln zu ernähren. Diese Auflistung soll allerdings nur als Orientierung dienen, da die Erfahrungen unterschiedlich ausfallen sollen. Organismen verarbeiten Nahrungsmittel teilweise unterschiedlich, daher ist es nicht möglich mit absoluter Sicherheit zu sagen, welche Lebensmittel absolut basisch wirken und welche nicht. Was für deinen Organismus basisch wirkt oder auch säuert müsste demnach im Laufe der Zeit durch eigene Erfahrungen herausgefunden werden.
Stark basische Lebensmittel
Gemüse, Gräser, Kräuter, Gewürze und Sprossen |
Kartoffeln, Brechbohnen, weiße und grüne Bohnen, Spargel, Brokkoli, Blumenkohl, grüner Wirsing, frische Erbsen, Linsen, Spinat, Fenchel, Sellerie, Sauerampfer, Zwiebeln, Feldsalat, Kopfsalat, Endivie, Löwenzahn, Rote Rüben, Rettich, Alfalfagras und -sprossen, Auberginen, Blattkohl, Chili, Chlorella, Endivien, Essbare Blumen, Gerstengras, Gurken, Hafergras, Kaiserschoten, Kamutgras, Knoblauch, Kohlsalat, Kürbis, Mangold, Nachtschattengewächse, Okra, Paprikaschoten, Pastinakenwurzel, Radieschen, Rote Beete, Rucola, Salat, Sojasprossen, Spirulina, Steckrüben, Tomaten, Wasserkresse, Weißkohl, Weißrübe, Weizengras, Wirsingkohl, Zucchini, Dill, Majoran, Brennnessel, Melisse, Nelken, Oregano, Pfeffer (weiß, rot, schwarz, grün), frische Kräuter (u.a. Basilikum, Koriander, Minze, Petersilie, Schnittlauch, Thymian, etc.), Cayennepfeffer, Chili, Curry, Himalaya-Salz, Ingwer, Meersalz, organisches Salz, Senfkörner, Zimt, Salbei, Kümmel |
Obst, Früchte |
Avocado, reife Bananen, Mandarinen, Rosinen, Hagebutten, getrocknete Feigen, Grapefruit / Pampelmuse, frische Kokosnuss, saure Kirschen, Limette, Aprikosen, Nektarienen, Oliven, Quitten, Johannisbeeren, Weintrauben, Zwetschgen |
Trockenobst |
Datteln, Feigen, Rosinen |
Getreideprodukte & Hülsenfrüchte |
Amaranth, Chia, Dinkel, Hirse, Kamut, Kichererbsen, Quinoa |
Eiweißprodukte |
Molkeneiweiß, Sojaeiweiß, Tempeh, Tofu |
Nüsse & Kerne |
Fenchelsamen, Kreuzkümmelsamen, Kümmelsamen, Kürbiskerne, Leinsamen, Sesamkörner, Sonnenblumenkerne, Weizenkerne |
Fette & Öle |
Avocadoöl, Borretschöl, Kokosnussöl, Leinsamenöl, Mandelöl, Nachtkerzenöl, Olivenöl, Traubenkernöl |
Getränke |
Frischer Gemüsesaft, Hafermilch, Kräutertee, Mandelmilch, Wasser, ungesüßte Sojamilch |
Verschiedenes |
Dinkelmehl, Hirsemehl, frische Kokosnussmilch, Sojamehl, Stevia, Soja-Produkte |
Schwach bis mittelstark basische Lebensmittel
Gemüse |
Lauch / Porree, Grünkohl, Rotkohl, Brunnenkresse, Schnittbohnen, Schwarzwurzeln, Kohlrübe, Kohlrabi, Meerrettich, Karotten, Rhabarber, Pfifferlinge, Champignons, Artischocken |
Obst, Früchte |
Äpfel, Birnen, Datteln, grüne Bananen, Mirabellen, Pflaumen, Pfirsich, Preiselbeeren, Brombeeren, Trauben, Stachelbeeren, Apfelsinen, Zitronen, Ananas |
Milchprodukte |
Kuhmilch, Schafs- und Ziegenmilch, Molke, Buttermilch |
Leicht säuernde Lebensmittel
Gemüse |
nicht frische Erbsen, Rosenkohl |
Obst, Früchte |
Aprikosen, Blaubeeren, Cranberry, Erdbeeren, Granatapfel, Heidelbeeren, Himbeeren, Honigmelone, süße Kirschen, Mandarinen, Mango, Melonen, Orangen, Papaya, Wassermelone |
Milchprodukte |
H-Milch, Sahne |
Fette |
Butter, Margarine |
Getreideprodukte & Hülsenfrüchte |
Weizenmehl, Buchweizen, Reis, Reisstärke, Grünkern, Haferflocken, Nudeln, Vollkornknäckebrot, Vollwertbrot, Schrotbrot, Vollkornbrot, Kommissbrot, Zwieback, Buchweizennudeln, brauner Reis, Dinkelnudeln, Kidneybohnen, Limabohnen, Mungobohnen, Sojabohnen, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Weiße Bohnen, wilder Reis |
Nüsse |
Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse, Paranüsse, Macademianüsse, Pekannüsse, Pinienkerne |
Fisch |
Frischer Süsswasserfisch |
Fette & Öle |
Canolaöl, Sesamöl, Sonnenblumenöl, Walnussöl |
Süßungsmittel |
Agavendicksaft, Apfeldicksaft, Birnendicksaft |
Stark säuernde Lebensmittel
Fleisch und Fisch |
Alle Wurst- und Fleischsorten (einschließlich Geflügel), Meeresfrüchte, Salzwasserfisch |
Milchprodukte |
Käse, Quark, Eier, Hüttenkäse, Joghurt |
Mehl / Getreideprodukte |
Roggenmehl, Graupen, Weizengrieß, Donuts, Kekse, Mais-/Speisestärke, Muffins, Weißbrot, weiße Pasta, weißer Reis, weißes Mehl, Weißbrot, Schwarzbrot, Graubrot |
Nüsse |
Erdnüsse, Cashewnüsse, Pistazien |
Fette & Öle |
Ghee, Maisöl |
Würzmittel |
Essig, Ketchup, Mayonnaise, Senf, Sojasauce |
Getränke |
Alkoholische Getränke, Bier, Energy Drinks, abgepackte Fruchtsäfte, Grüner Tee, Kaffee, Kohlensäurehaltige Getränke, Likör, Schwarzer Tee, Wein |
Verschiedenes |
Fast Food, Fertiggerichte, Hefe, Mikrowellengerichte, Obst aus Dosen, Pilze, Süßigkeiten, Honig, Süßstoffe, weißer und brauner Zucker |
Nahrungsmittelergänzung
Um den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten wird sich häufig zusätzlich sogenanntem “Basenpulver” oder “Säure-Basen-Pulver” zur Nahrungsergänzung bedient. Diese sollen die nahrungsbedingte Säurebelastung reduzieren und vorhandene Säureüberschüsse im Organismus ausgleichen. In der Regel handelt es sich dabei um eine Mischung aus Mineralsalzverbindungen mit Saccharose und / oder Lactose. Es gibt jedoch auch andere Produkte die dem Körper dabei helfen sollen seinen idealen pH-Wert zu erreichen und beizubehalten. Viele Befürworter der basischen Ernährung schwören auf Produkte von Dr. Young, ein Mikrobiologe und Ernährungswissenschaftler, der sich vor vielen Jahren mit der Übersäuerung des Körpers auseinandersetzte. Den Körper bei der natürlichen Entsäuerung unterstützen sollen auch Produkte wie pH Miracle Greens, PurpHy und das hochkonzentrierte Saftpulver Juice Plus. Auch das pflanzliche Mittel P. Jentschura Wurzelkraft wird empfohlen. Dieses wird als Granulat angeboten und enthält neben Blütenpollen ein Pflanzengemisch aus Kräutern, Gemüsen, Früchten, Gewürzen, Samen und Salaten. Viele befürworten außerdem das Pulver oder die Tabletten Cyanobakteria Spirulina oder die Mikroalge Chlorella zur Unterstützung.
Kritik an basischer Ernährung
Befürworter der basischen Ernährung behaupten, die angeblich chronische Übersäuerung des Körpergewebes sei ernährungsbedingt. Aus wissenschaftlicher Sicht konnte die Übersäuerungstheorie jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. Mediziner sind außerdem der Auffassung, dass eine Übersäuerung bei einem gesunden Menschen nur als kurzfristiger Zustand im Organismus auftreten kann, da der Körper das Säure-Basen-Gleichgewicht eigenständig reguliert. Puffersysteme halten den Säure-Basen-Spiegel im Blut und Gewebe konstant. Beispielsweise werden überschüssige Säuren über die Nieren, Schweiß oder Kot und beim Ausatmen in Form von Kohlendioxid ausgeschieden. Dauerhafte Übersäuerungen sind nur bei Stoffwechselerkrankungen bekannt. Auch die angewandten Messweisen des pH-Wertes ist kritisch zu betrachten. Zwar kann ein sauerer pH-Wert im Urin tatsächlich vorkommen, dieser Wert schwankt jedoch im Laufe des Tages und ist kein sicherer Anhaltspunkt dafür, dass der Körper übersäuert ist. Um dies genauer nachweisen zu können müsste der pH-Wert im Blut ermittelt werden. Bisher wurden für eine therapeutische Wirksamkeit und das Vermeidung von Krankheiten durch basische Lebensmittel aus ernährungswissenschaftlicher und medizinischer Sicht keine Hinweise gefunden, abgesehen von den positiven Nebeneffekten durch eine insgesamt gesündere und bewusstere Ernährungsweise.